© Bundesstiftung Baukultur, Grafik: Heimann + Schwantes

Den Veltener Fünf-Punkte-Plan können Sie hier herunterladen.

29. Mai 2022, Positionspapier

Veltener Fünf-Punkte-Plan

Brandenburg zieht an – als Flächenland in der Metropolregion um Berlin mit produktiven, sozialen Innovationen Hinzugezogener und Ortsansässiger. Oft sind es die baukulturell wertvollen Bestandsgebäude in den Klein- und Mittelstädten, die diesen Visionen einen Standort bieten. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie Baukultur einen aktiven und zukunftsgerichteten Beitrag zu ländlicher Entwicklung in Brandenburg aber auch darüber hinaus leisten kann. Trotz dieser positiven Ansätze und Prozesse bleiben jedoch Herausforderungen bestehen: Besonders strukturschwächere Regionen sehen sich häufig mit Leerstand, Stagnation und Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge konfrontiert.

In fünf Punkten sprechen die Bundesstiftung Baukultur und die Baukulturinitiative Brandenburg, eine Kooperation des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, der Brandenburgischen Architektenkammer und der Brandenburgischen Ingenieurkammer, deshalb Handlungsempfehlungen für Baukultur als Schlüsselfaktor für die ländliche Entwicklung aus. Im Fokus stehen dabei der Stellenwert der Ortszentren, die Etablierung einer neuen Umbaukultur und eines engagierten Standortmanagements als „Kümmerer“, aber auch das Wissen über die eigene baukulturelle Geschichte und die Notwendigkeit, sich konkrete Ziele zu setzen.

Der Plan geht zurück auf Erkenntnisse des Baukulturdialogs Brandenburg in Velten im Oktober 2020. Zu der Veranstaltung hatten die Bundesstiftung Baukultur in Kooperation mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Baukulturinitiative Brandenburg geladen. Am 9. November 2021 überreichten die Bundesstiftung Baukultur, vertreten durch Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur, und die Baukulturinitiative Brandenburg, vertreten durch Frank Segebade, Leiter des Referats für Stadtentwicklung im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, Andreas Rieger, Vizepräsident der Brandenburgischen Architektenkammer, und Dirk Hottelmann, Vorstandsmitglied der Brandenburgischen Ingenieurkammer und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Baukultur Brandenburg, im baukulturell bedeutsamen Ofen- und Keramikmuseum in Velten den Veltener Fünf-Punkte-Plan stellvertretend für die Brandenburger Bürgermeister:innen an Ines Hübner, Bürgermeisterin der Stadt Velten.

Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, resümiert: „Die letzte Themenwoche der ARD ‚Stadt, Land, Wandel‘ zeigt nochmal auf, wieviel Potential kleine Städte und Orte als Lebensräume der Zukunft haben. Vorausgesetzt Bürgerinnen und Bürger, Politik und Fachleute gehen den Wandel aktiv an. Ein gutes Mittel ist es zum Beispiel, die eigene Ortsmitte baulich und infrastrukturell neu zu beleben. Der Veltener Fünf-Punkte-Plan kann für die Brandenburger Gemeinden hierbei handlungsleitend sein.“

Dass Baukultur auf einem Prozess des Austauschs beruht, betonte Frank Segebade, Leiter des Referats für Stadtentwicklung im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg: „Baukultur ist auch Verfahrenskultur. Das verdeutlichen die letzten drei Punkte des Fünf-Punkte-Plans: Das Engagement der ‚Kümmerer‘ vor Ort, das Erzählen von Baukulturgeschichten und die klare Definition von Zielen. Das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg unterstützt diese Prozesse unter anderem im Rahmen der Baukulturinitiative Brandenburg und wird die Ergebnisse des Papiers in die brandenburgischen Kommunen und in die Zusammenarbeit der Ministerien tragen.“

Andreas Rieger, Vizepräsident der Brandenburgischen Architektenkammer, hob das Potential des Veltener Fünf-Punkte-Plans für ganz Brandenburg hervor: „Velten nimmt eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung des Fünf-Punkte-Plans ein. Erfolgreiche ländliche Stadt- und Dorfentwicklung muss von Anfang an von den Kommunen, der Bevölkerung und von Fachleuten begleitet werden. Als Architektenkammer hoffen wir, dass viele weitere Brandenburger Kommunen diesem Beispiel folgen werden und unsere Handlungsempfehlungen auf breite Resonanz stoßen.“

Der Veltener Fünf-Punkte-Plan entspricht dem strategischen Rahmen der Arbeit der Baukulturinitiative Brandenburg und des Fördervereins Baukultur Brandenburg. „Wir sehen im Veltener Fünf-Punkte-Plan eine Grundlage und eine Bestätigung unserer Aktivitäten und setzen uns dafür ein, die Umsetzung der Handlungsempfehlungen bei konkreten Beispielen vor Ort zu fördern und zu begleiten“, sagte Dirk Hottelmann, Vorstandsmitglied der Brandenburgischen Ingenieurkammer und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Baukultur Brandenburg.

Ines Hübner, Bürgermeisterin der Stadt Velten, nannte Beispiele für die Umsetzung der Handlungsempfehlungen in Velten: „Der Veltener Fünf-Punkte-Plan enthält wichtige Momente, die in prosperierenden Städten im Speckgürtel der Hauptstadt genauso gelingen müssen wie in den Dörfern der Uckermark, um lebenswerte Orte zu schaffen. Die Punkte des Plans müssen miteinander wirken. In Velten sind wir bereits viele der Aspekte angegangen: vom Bekenntnis zur Ortsmitte mit der Marktplatz-Umgestaltung über eine Umbaukultur am Beispiel des Ofen- und Keramikmuseums bis hin zum Aspekt, Baukulturgeschichten zu erzählen in Form des aktuell entstehenden Stadtrundganges. Ich möchte anderen Kommunen den Mut geben, das Potenzial ihrer vorhandenen Baukultur freizulegen. Es geht um das genaue Hinschauen, Neudenken und Weiterdenken. Der Veltener Fünf-Punkte-Plan ist dabei das Mittel, um auf einem Streifzug durch die eigene Stadt zu erkennen, wo man steht. Damit ist unglaublich viel gewonnen. Der Veltener Fünf-Punkte-Plan kann also der Startpunkt zu einer Stadtentwicklung sein, die eigene Ortsidentität erhält und zugleich schafft.“

Den Veltener Fünf-Punkte-Plan können Sie hier herunterladen.

Von links nach rechts: Andreas Rieger, Dirk Hottelmann, Ines Hübner, Frank Segebade, Reiner Nagel © Erik-Jan Ouwerkerk
© Erik-Jan Ouwerkerk
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