30. Juli 2021, Nebelin (Prignitz)

Planungsworkshop „Alhambra Brandenburgs“

Unter der Organisation von Ute Reeh, Künstlerin und Leiterin des Zentrums für Peripherie, arbeiteten die Teilnehmenden des Planungsworkshops „Alhambra Brandenburgs – Eine Tank- und Rastanlage als Pilotprojekt“ am 30. und 31. Juli 2021 an der konkreten Umsetzung der „Alhambra Brandenburgs“. Die Baukulturinitiative Brandenburg war Partner der Veranstaltung. Das Pilotprojekt umfasst eine Lärmschutzwand, Rast- und Begegnungsstätte aus Lehm in Nebelin (Prignitz). Der geplante Ausbau der A14 macht den Bau der Lärmschutzwand in der Nähe des Ortes notwendig. Ein Rastanlage und Begegnungsstätte sollen die Lehmwand ergänzen. Die Veranstaltung schloss an einen Ideenworkshop an, der im Januar 2021 in Kooperation mit der Bundesstiftung Baukultur stattgefunden hatte.

Der erste Tag des Workshops begann mit einer Vorstellung und Besichtigung der Testwand aus Stampf- und Wellerlehm, die im vergangenen Jahr gebaut worden war. Anschließend wurden baulichen Vorgaben und Anforderungen an Lärmschutzwand und Raststätte diskutiert. Hieraus ergaben sich vor allem technische Herausforderungen. Es wurde die Möglichkeit diskutiert, einen langfristigen Testversuch der Lehmlärmschutzwand an einem Streckenabschnitt der A2 durchzuführen. In Nebelin kann die Lehmwand als Gestaltungselement der Anlage die Funktion einer Lärmschutzwand erfüllen. Der geplante Fokus der Tankstelle auf Elektroautos findet sich auch in der Idee einer „ökologischen Raststätte der Zukunft“ wieder. In diesem Kontext wurden Möglichkeiten für Photovoltaik-Elemente vor Ort besprochen, mithilfe derer die Fahrzeuge aufgeladen werden können. In einer abschließenden Gesprächsrunde wurden Ortsansässige in die Diskussion mit einbezogen, denn die Anlage soll auch vom Dorf aus zugänglich und nutzbar sein. Im nächstgrößeren Ort Karstädt wird in ca.  2km Entfernung zur Raststätte ein Autohof entstehen. Hierin wird jedoch keine Konkurrenz, sondern eine Chance gesehen. In der Nebeliner Anlage können so zusätzliche Angebote wie z.B. eine Akademie, Konferenzräume, eine Anlaufstelle für das Biosphärenreservat oder ein Markt für regionale Produkte geschaffen werden.

Die Ideen vom Vortag aufgreifend begann der zweite Tag des Workshops mit der Entwicklung von Konzepten für Wand und Gebäude. Im Zentrum der Umsetzungen stand das Alleinstellungsmerkmal und die „DNA“ der Anlage: ihre Öffnung und ihr Zugang zur Natur. Ein zweites Element bildet die Vielfalt der Innovationen, die in dem Projekt zusammenfinden. Die Grundstrukturen der Rastanlage sollen neue Entwicklungen im Bau und im Lärmschutz, Naturschutz und Naturerleben zusammenbringen. Dies kann sich in einer Einbettung der Lehmwand in die Landschaft über einen Rundweg und Erlebnisorte oder der Inszenierung des Blickes von der Raststätte in die Landschaft zeigen.

Die Idee einer gebauten Landschaft oder auch einer begehbaren Wand aus dem Ideenfindungsworkshop im Januar wurde konkret. Auch die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie einer belebten Lärmschutzwand folgt diesem Gedanken. Gleichzeitig kann der Wellerlehm als Lebensort für Wildbienen, Vögel und Fledermäuse dienen. Raststätte und Begegnungszentrum sollen zusammen mit der Wand ein gebautes Landschaftselement in zeitgenössischer Formensprache darstellen.

Mit einer geplanten Länge von etwa 4,2 km entstünde mit dem Pilotprojekt das größte Lehmbau-Ensemble der Gegenwart in Europa. Noch in diesem Jahr sollen in einer Wanderausstellung die im Workshop entstandenen Entwürfe, die mit der Lehmwand verbundenen Innovationen und ein Film zum Projekt präsentiert werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Zentrums für Peripherie. Die Baukulturinitiative berichtete bereits über den Beitrag der Alhambra Brandenburgs zum neuen Europäischen Bauhaus und zum Baukultur Picknick in Nebelin.

 

Teilnehmende

Max Dombrowski, Schlaich Bergermann Partner

Dr. Heike Ellner, Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Dr. Dieter Günnewig, Bosch&Partner (Forschungsteam Machbarkeitsstudie Lehmlärmschutz)

Martin Haas, Haas Cook Zemmrich

Dirk Hottelmann, Brandenburgische Ingenieurkammer, Förderverein Baukultur Brandenburg

Dr. Birgit Kocher, Bundesanstalt für Straßenwesen

Jan Mittelstädt, Knippers Helbig (Forschungsteam Machbarkeitsstudie Lehmlärmschutz)

Ronald Normann, Autobahn GmbH

Maria Pegelow, Brandenburgische Architektenkammer

Stefanie Rasche, Baukulturinitiative Brandenburg

Martin Rauch, LehmTonErde (Forschungsteam Machbarkeitsstudie Lehmlärmschutz)

Ute Reeh, Zentrum für Peripherie

Frauke Röth, Büro Kosmos, Potsdam

 

Fotos: Baukulturinitiative Brandenburg

Skizze: Martin Haas

Ansprechperson

Stefanie Rasche
Koordinatorin Baukulturinitiative Brandenburg
E
T +49(0)331/2012 59-38