4. Juli 2022, Veranstaltungsbericht

Konvent der Baukultur 2022

Unter den beiden Schwerpunktthemen „Baukulturelle Bildung“ und „Umbaukultur“ fand am 3. und 4. Mai 2022 der Konvent der Baukultur in der Schiffbauergasse in Potsdam statt. Er wird alle zwei Jahre von der Bundesstiftung Baukultur ausgerichtet und wendet sich an Vertreter:innen aus Architektur und Ingenieurwesen, Immobilien- und Bauwirtschaft, Verbänden, Kammern, Kommunen und Verwaltung. Nachdem er coronabedingt 2020 und 2021 verschoben werden musste, konnte er nun endlich wieder in gewohnter Form stattfinden.

Der Konvent begann mit dem „Basislager“ am 3. Mai. Nach einer Begrüßung durch Guido Beermann, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, und Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, teilten sich die mehreren hundert Teilnehmenden auf fünf verschiedene Foren auf. Diese beschäftigten sich mit den Themen baukulturelle Bildung, handwerkliche (Aus-)Bildung, kundige Baustoffe und Lebenszyklus, Baukulturinitiativen vor Ort und erfolgreiches Entwicklungsmanagement in Städten. Baukultur in Brandenburg kam insbesondere im Forum der Initiativen mit der Baukulturinitiative Brandenburg als Kooperationspartner – vorgestellt von Stefanie Rasche, Koordinatorin der Baukulturinitiative Brandenburg, Christian Keller, ehemaliger Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer, und Matthias Krebs, Präsident der Brandenburgischen Ingenieurkammer – zur Sprache. Teil des Konvents war außerdem die Ausstellung „Brandenburgs Alhambra“ über das Pilotprojekt einer Lärmschutzwand aus Lehm in der Prignitz. Den Abschluss des ersten Tages bildete die Keynote von Prof. Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Co-Geschäftsführer der Bauhaus der Erde gGmbH, in dem er die weitreichenden Auswirkungen des Klimawandels, auch auf die Baukultur, beleuchtete.

Der zweite Tag des Konvents widmete sich dem Thema des im November erscheinenden Baukulturberichts 2022/2023: der Umbaukultur. Ein Fokus war dabei die graue Energie in Bestandsgebäuden und Infrastruktur, die durch deren Umbau und damit die Vermeidung zusätzlicher Emissionen in Neubauten in „Goldene Energie“ umgewandelt werden kann. Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Cansel Kiziltepe aus dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und Andrea Gebhard, Vorsitzende des Stiftungsbeirates der Bundesstiftung Baukultur und Präsidentin der Bundesarchitektenkammer. An die Grußworte schloss die Wahl der Konventmitglieder an. Zu den zur Wahl Berufenen zählen Bauherr:innen, Planende aller Disziplinen, Hersteller:innen, Bauausführende und Baukulturvermittelnde. Mit dem Vortrag von Reiner Nagel über die „Lage der Baukultur in Deutschland und Neues zur Umbaukultur“ wurde wieder der Bogen zum Schwerpunktthema des Konvents geschlagen. Wie auch der Beitrag von Prof. Schellnhuber stand die darauffolgende Keynote von Prof. Dr. Werner Sobek zur Zukunft des Bauens unter dem Eindruck von Klimawandel und Ressourcenknappheit.

Die Thementische am Nachmittag des zweiten Tages des Konvents boten den Konventberufenen eine Plattform zur Diskussion von Schwerpunkten bisheriger Baukulturberichte wie Stadt und Land, Bestand und Erbe aber auch Bau- und Planungsrecht. Die Ergebnisse der Thementische wurden am Ende der Veranstaltung kurz vorgestellt und werden in den aktuellen Baukulturbericht mit aufgenommen. Ein Blick auf die Umbaukultur aus politischer Perspektive wurde bei einem Podium am Nachmittag, bestehend aus Bundestagsabgeordneten von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, CSU und Die Linke, geworfen. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde die „Potsdamer Resolution zur baukulturellen Bildung“ vorgestellt und von den Konventmitgliedern beschlossen. In ihr fordern die Beteiligten meine Stärkung der baukulturellen Bildung insbesondere an Schulen, um bereits junge Menschen für die Baukultur zu begeistern und ihnen die Mittel zu ihrer Mitgestaltung in die Hände zu geben. Hierdurch soll außerdem dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegengewirkt werden.

Die rundum gelungene und impulsgebende Veranstaltung bot den Baukulturschaffenden die Möglichkeit, sich nach längerer Pause wieder persönlich vor Ort auszutauschen. Die Ergebnisse dieses Austauschs resultierten in konkreten und richtungsweisenden Handlungsempfehlungen an Politik, Verwaltung und Institutionen, an Unternehmen, Kammern, Verbände und Initiativen.

Eine ausführliche Dokumentation des Konvents wird zeitnah auf der Website der Bundesstiftung Baukultur zur Verfügung gestellt. Die „Potsdamer Resolution zur baukulturellen Bildung“ ist bereits jetzt dort einsehbar.

 

Dieser Beitrag erscheint auch in der DAB Ausgabe 07/2022.

Foto von der Begrüßung der Teilnehmenden durch Minister Guido Beermann Begrüßung der Teilnehmenden durch Guido Beermann, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
Foto vom World-Café des Initiativen-Forums Austausch und Diskussion beim World-Café des Initiativen-Forums
Foto vom Vortrag von Reiner Nagel zur neuen Umbaukultur Vortrag von Reiner Nagel zur neuen Umbaukultur